Ein offenes Geheimnis für den Erfolg der kenianischen Läufer ist deren für unsere Verhältnisse harte Kindheit. Zur Zeit sind hier in Kenia die „großen Ferien“, das neue Schuljahr beginnt im Januar. Wenn wir unsere Läufe zwischen den Feldern und Äckern machen, arbeiten immer auch Kinder zusammen mit ihren Eltern dort.

Kinder arbeiten am Feld mit

Kinder arbeiten am Feld mit

Die kenianischen Athleten habe ich auch nach deren Kindheit gefragt – jeder hat während seiner Schulzeit auch zuhause mit den Eltern gearbeitet.
Zu dieser Arbeit kommt noch der oft weite Schulweg von bis zu 10km einfacher Weg hinzu. Zudem gibt es wenig Ablenkung, keinen Fernseher, keinen Computer – „nur“ das Spielen draußen in der Natur. Es ist in meinen Augen völlig offensichtlich, warum Kenianer seit den 1960er Jahren die Laufwelt dominieren. Diese Grundlage der hohen Belastbarkeit, des Verzichts, des Erfolgshungers – und schlicht die Grundlage unglaublich vieler, barfuß gerannter und nicht als „Training“ definierter Kilometer bilden einen Grundstock, den ein in Europa aufgewachsener junger Mensch kaum je aufholen kann.

Kinder arbeiten am Feld mit

Oft trifft man auf lachende Kindergesichter

Bei uns gibt es diesen Erfolgshunger auch sehr selten – er wird von Trainern versucht von außen an junge Talente heran zu tragen, die Flamme muss aber ja in jedem jungen Menschen selbst brennen, was man allerdings gerade in den Ausdauerdisziplinen äußerst selten vorfinden kann. Nur wenige Läufer in Deutschland oder Österreich stellen hier eine Ausnahme dar. Daher schaffen es auch nur ganz wenige Euopäer mit der afrikanischen Läuferwelt Schritt zu halten.

 

Eines dieser Kinder,  nämlich mein junger Freund Joseph Kamau hat mich bei einem 11,3km Crosslauf  mit 170Hm begleitet. Er ist zwar immer mal wegen Seitenstechen stehen geblieben – letztlich kam er aber immer wieder an meine Seite gespurtet.  Dafür ging ich zwischendurch mal komplett in einer großen Pfütze baden. Die Pace betrug bei uns 4:37/km, der Junge hat’s echt drauf!12374793_1176330649062177_4396714437351321204_o

Die Kinder hier im Dorf wirken übrigens keineswegs unglücklich oder überfordert, das ist deren Leben. Ich sehe hier deutlich mehr lachende Kinder auf den Feldwegen als bei uns…

 

Rafael Treite, Dez. 2015 aus Kiambogo

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