Habari jako?

Nun in meinem dritten Bericht ist es denke ich allemal an der Zeit, dass nun standesgemäß auf Suaheli gegrüßt wird! Den Versuch es auf Gikuyu (der Stammessprache der Region Kiambogo) zu tun, unterlasse ich mal lieber da ich mir nicht so ganz sicher bin ob es dies tatsächlich auch in Schriftform gibt…
Doch nun zum aktuellen Geschehen in und rings um das Mt. Longonot Sports Centre:

Neue Gäste – oder die Geburt des Spielecenters Kiambogo
Auch in dieser Woche darf unser Camp wieder neue Besuchern begrüßen und mitgebracht haben sie wie immer neue Impulse die das Leben hier bereichern. Diese wechselnden Besetzungen sind in meinen Augen eine absolute Belebung für den (Trainings-)Alltag der Athleten und die Basis für einen kulturellen Austausch hier in Kiambogo.
Derzeit tragen dazu Susanne und Moritz mitsamt ihren Kindern Sophie und Felix aus Graz bei, sowie – und über seine Anwesenheit freue ich mich natürlich ganz besonders – mein werter Bruder Jonas. Das Tolle ist, dass irgendwie ein jeder hier seine ganz persönliche Art und seine Interessen mit(ein)bringt. Dadurch wird es zum einen sehr abwechslungsreich und es kommt zum anderen auch außerhalb des Laufens sehr schnell zu einer Kontaktaufnahme.
Während also Susanne sich in freier Zeit begeistert für die Künste der kenianischen Küche interessiert und auch der ursprünglich gelernte Bäcker Jonas sich natürlich fachkräftig in die Produktion der sonntäglichen Chapatis eingemischt hat, haben Sophie und Felix wohl in dieser Woche das Spielecenter Kiambogo gegründet. Natürlich, es wird hier vermutlich schon immer ein wenig gespielt, doch sind eben in dieser Woche aus Graz und Metzingen neue Impulse inklusive einer Spielesammlung von 99Spielen (Danke an die Spenderin…) eingeflogen geworden und man kann es nicht anders sagen: es wird richtig gezockt! Ich glaube es gibt keinen der inzwischen nicht die Regeln von UNO kennen würde, keinen der sich nicht schon massiv beim „Mensch ärgere dich nicht“ gegrämt hat, keinen der nicht schon sein Würfelglück bei „Kniffel“ versucht hat oder keinen der nicht schon den Turm von Jenga umgeworfen hat… Dies um nur einige Beispiele zu nennen!
Es ist einfach unheimlich schön zu sehen, mit welcher Freude die Athleten hierbei zu Werke gehen und dabei vermutlich einfach auch einiges nachholen dürfen, welches sie im Laufe ihrer Jugend eben nicht wie wohl die meisten von uns schon haben erleben dürfen…

Training – oder das Fiebern in Richtung Diamond Race
Natürlich wurde trotz aller Spielebegeisterung auch in dieser Woche trainiert. Dabei wirft schon eine ganze Weile DAS kommende Großereignis in Nairobi seinen Schatten voraus: Das Diamond Race am nächsten Sonntag. Mindestens schon seit einer Woche wird diskutiert welche Größen dort an den Start gehen werden und in welcher Zeit wohl das 10km-Rennen entschieden werden wird. Seit Anfang der Woche ist nun klar, dass sich auch sechs run2gether-Athleten in das illustre Starterfeld mischen werden und die Ehre haben werden, sich mit Größen wie Geoffrey Mutai, Kirui sowie weiteren Athleten aus Äthiopien, Uganda, Somalia, etc. messen zu dürfen.
Auch wenn vermutlich die absolute Spitze vermutlich ohne unsere Jungs abgehen wird, hält dies hier dank des gewissen kenianischen Optimismus niemand davon ab, DIE entscheidende Renntaktik zu entwickeln, die Top-Platzierungen intern zu verteilen oder sich zu überlegen was man denn dem Herrn Mutai zurufen wird wenn man ihn dann bei Km 8 abschüttelt und endgültig davonzieht… Man darf gespannt sein welcher Plan (oder Traum) wahr werden wird… :-)
Nicht zuletzt aufgrund des Rennens bzw. der Überlegung wer denn für die raren Startplätze in Frage kommt, fand am letzten Samstag noch zum Wochenabschluss ein Speedtraining in Form einer 12 bzw 14km Competition statt. Ein absolut heißer Tanz… Zu Beginn taktisch geprägt (wie bei jedem wichtigen Großereignis :-)) musste am Ende doch jeder seine Karten auf den Tisch legen. Und so wurde auf den letzten Kilometern derart gefightet dass schließlich alle auf der letzten Rille ins Ziel kamen… Letztlich konnte sich dank seiner Bergab-Qualitäten auf dem letzten Kilometer dann Francis Maina (mit ca 47min) vor Ronald Ngigi sowie Eric und Ekidor durchsetzen.
Auch unsere Damen-Competition über 12km standen in Sachen Brisanz auf den letzten Metern den Herren nichts nach und so durfte man mangels technischer Möglichkeiten in Kiambogo (leider hat die Zielfoto-Kamera versagt…) letztlich mit Jane und Viola zwei Siegerinnen küren.
Persönlich muss ich gestehen großzügig darauf verzichtet zu haben am Challenge teilzunehmen. Auch wenn ich mich immer besser an Umfänge und Intensität gewöhne fühlen sich meine Beine derzeit nicht nach einem Rennen an. Stattdessen habe ich mir lieber meinen „Guten-Morgen-Chai“ gegönnt und mich auf einen anstrengenden Tag im Nationalpark vorbereitet :-)

Safaris – oder die wunderbare Tiervielfalt Kenias
Anstatt sich also in den staubigen Straßen von Kiambogo zu verausgaben, haben sich die Europäer im Camp mit unserem Guide Paul sowie Geoffrey und Robert aufgemacht am Samstag sowohl Lake Naivasha als auch den Hellsgate Nationalpark zu besuchen. Man kann dazu nur sagen: Wow… Speziell die Bootstour auf dem Lake Naivasha war absolut umwerfend. Eine Vogelpracht wie ich sie noch nie gesehen habe: unzählige Pelikane dazu Kingfisher in Aktion erleben oder den anmutigen Seeadler beobachten, etc. ist beeindruckend. Dazu lockt das Wasser natürlich auch sonstige Tiere an und man kann auf einer Insel in der Mitte des Sees soviele Zebras, Gnus, Giraffen, Antilopen oder Gazellen sehen, dass man fast Gefahr läuft übersättigt zu werden… Dass man sich außerdem mit dem kleinen Boot bis auf wenige Meter an die Hippos (nicht nur „Quizduell-Spieler“ wissen dass es extrem gefährliche Tiere sind…) heran wagt und dabei den Wellengang ihres Auf- und Abtauchens spüren kann, ist dann noch die Krönung…
Beim anschließenden Hellsgate Nationalpark-Besuch steht es einem dann frei das Gelände auf eigenen zwei Rädern, nämlich per Fahrrad zu erkunden. Da außer von Hyänen vielleicht am ehesten noch von einem durchgeknallten Warzenschwein oder frechen Pavian Gefahr ausgehen könnte, kann man dies hier nämlich getrost riskieren. Und so radelt man auf einem absoluten „Top“-Mountainbike („only the best for you, you are my best friend…“;-)) durch eine tolle Steppenlandschaft die durch rote Felswände begrenzt wird, grüßt immer wieder nach links um einem Zebra zuzuwinken oder nickt rechts einer Giraffe zu die sich an den Blättern eines Baumes erfreut… Ein tolles Erlebnis! Das einzige Manko ist, dass man von der Vielzahl an Tieren auf engem Raum am Lake Naivasha derart verwöhnt ist, dass man sich in Hellsgate dann manchmal fragt ob sich denn die Tiere in Hellsgate eigentllich vor einem verstecken…

Comunal Cleaning – oder der „optional (training) day“
Comunal day! Bedeutet: einmal in der Woche investiert jeder seine Energie zugunsten des Camps. Trainiert wird je nach Bedarf selbstständig und es wird ab nach dem Frühstück geputzt, Müll gesammelt, im Anlagengarten gewerkelt, repariert, Ackerbau betrieben, rundum also ein munteres Treiben da ja jeder im Camp seine Aufgabe hat und für irgendetwas „responsible“ ist! – soweit zur Theorie….
In der Praxis: Dies ist der Tag an dem sich das kenianische Gemüt absolut offenbart. Während das eigenständige Training noch absolut funktioniert hört es bei der Arbeit bei den meisten Jungs und Mädels hier dann leider ganz schnell auf… Eigentlich ist es tatsächlich so, dass jeder seinen Bereich hat um diesen in Schuss zu halten oder zu bearbeiten, aber wenn der Tag dann ansteht sieht es so bei vielen (Ausnahmen gibt es aber durchaus!) so aus, als hätten sie ihre Aufgabe bereits im Schlaf erledigt und dürfen es sich stattdessen nun erlauben, die Nase in die Sonne zu strecken oder im Aufenthaltsraum auf das Essen zu warten. Bisher vom Coach noch toleriert und nicht sanktioniert, wird zukünftig das eine oder andere strenge Wort diesbezüglich den Athleten hoffentlich Beine machen….
Angeregt von meiner Seite läuft ja nun seit zwei Wochen das Projekt, den Ackerbau rund um das Camp zumindest in kleinen Schritten wiederzubeleben. Nachdem es in der ersten Woche noch am Werkzeug gescheitert ist, konnte dieser Mangel dann in der letzten Woche behoben werden und das ausgewählte Feld zumindest vom Fremdbewuchs abgerodet werden. Dass nun seither nichts mehr vorangeht, dafür können die Athleten nun allerdings wenig. Das Feld müsste nämlich von einem Traktor umgepflügt werden um weitere Schritte anzugehen. Bestellt war dieser schon seit letzter Woche auf Montag 10Uhr. Der Fahrer hat sich dann tatsächlich am Montagabend auch blicken lassen, allerdings nur um sich die Sache einmal anzusehen. Er wollte dann wieder am nächsten Tag erscheinen… Anscheinend ist heute immer noch Dienstag, denn bis heute habe ich den Herrn mit seinem Geschoss leider nicht mehr gesichtet… Und so verstreicht eben heute ein weiterer Comunal Day ohne dass zukünftig Spinat oder Zwiebeln vor der Tür des Centres gedeihen…

In diesem Sinne grüße ich alle fleißigen Hände in Österreich, Deutschland, Schweiz oder sonstwo! (Aber natürlich auch die Hände welche sich derzeit im wohlverdienten Urlaub oder Semesterferien befinden ;-))

Kwaheri!!

Euer Tim

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