Noch einmal ein „Hallo“ aus Kiambogo von mir!

Es wird das letzte sein, denn für mich ist die Zeit des Abschieds gekommen. Nach unvergesslichen sieben Wochen habe ich ein Gepäck, das reich an Eindrücken und Erlebnissen ist, eine Kamera die vor Bildern platzt und gut 700km mehr in den Beinen. Ich habe viele schöne Momente gehabt, eine neue Kultur kennengelernt und ich bin inzwischen darin erprobt mich mit der kenianischen Mentalität auseinanderzusetzen. Hierbei habe ich durchaus auch kleine Enttäuschungen erlebt und bin an Grenzen gestoßen an welchen ich gemerkt habe wie weit Kenia und Deutschland doch in mancher Denk- und Arbeitsweise auseinanderliegen.
Nun geht heute Nacht mein Flieger und ich werde den heutigen Tag noch einmal in vollen Zügen genießen. Von den Laufstrecken habe ich mich gerade bereits beim Morning Run verabschiedet, später werde ich nochmals helfen die allsonntäglichen Chapatis zu produzieren, dann noch einmal mit einer Tasse Chai in der Hand in Ruhe den Mount Longonot betrachten, ehe es an der Zeit ist, die letzten Sachen in den Rucksack zu werfen und in Richtung Nairobi abzufahren.
Doch vorher soll es noch einen letzten kleinen Bericht über meine letzten Tage hier geben:

Mount Longonot – das Erklimmen des Wahrzeichen des Camps

Wenn ich es schon in meiner Zeit hier nicht auf den Mt Kenya geschafft habe, so wollte ich mich doch nicht verabschieden ohne wenigstens auf den Mt Longonot gekrakselt zu sein. Unweigerlich geht jeder Blick beim Betreten der Veranda erstmal in Richtung unseres Wahrzeichens und ich kann mir ehrlich gesagt noch gar keinen Morgen ohne die Aussicht auf den altehrwürdigen Vulkan vorstellen…
Um vom Nationalparkeingang an den Kraterrand auf 2580m zu gelangen, gilt es ca 500Hm zu überwinden, ehe man mit einem wunderbaren Blick zum einen in den Krater, zum anderen natürlich in Richtung Kiambogo, den Lake Naivasha oder in die unendlich scheinenden Weiten der Landschaft belohnt wird. Garniert wird einem der Weg nach oben wieder dadurch, dass man hautnah an grasenden Zebras vorbeiwandert und man sich von Giraffen stoisch betrachten lassen kann, welche sich wohl fragen warum wir uns die Klettertour in der Hitze nur antun.
Entlang des Kraters wandert man dann in ungefähr 2h um den Vulkan herum. Dabei geht es noch weiter nach oben, da der Gipfel auf über 2780m Höhe liegt. Spannend ist, dass der Vulkan tatsächlich noch irgendwie aktiv ist. Natürlich keineswegs so, dass er demnächst beginnen würde mit Lava um sich zu speien, aber doch sieht man es an manchen Stellen vor Hitze dampfen und es gibt kochend heißes Wasser. Man müsste also nur einen Teebeutel und eine leere Flasche mit hinauf zu schleppen und man könnte sich einen wunderbaren Gipfel-Chai genehmigen ;-)
Es bleibt festzuhalten: auch wenn natürlich nicht die Höhen des Mount Kenya sind, eine Tour auf auf den Mt Longonot lohnt sich allemal!

Kiambogo pflanzt Gras

Die Laufbahn hat uns auch in dieser Woche wieder beschäftigt und ich kann verkünden: das Fußballfeld ist komplett mit Gras bepflanzt! Zwar sieht der Rasen vom „Kiambogo-Stadium“ nun eher aus wie ein Kartoffelacker, doch eine Walze sollte das wieder in Ordnung bringen, so dass hoffentlich in naher Zukunft auch das Eröffnungsspiel stattfinden kann!
Um aber an diesen Punkt zu gelangen, waren drei Tage harte Arbeit mit bis zu 60 helfenden Händen vonnöten. Nachdem wir einige Tage warten mussten, ehe der Wettergott uns wieder Regen geschenkt hat, wurden unsere Helfer angehalten, sich am Dienstagmorgen, bewaffnet mitsamt einem Sack voll Gras und einer Hacke an der Laufbahn einzufinden. Benötigt wurden sowohl Männer wie Frauen. Männer um den Boden zu lockern, die Frauen, da diese im pflanzen des Grases als schneller gelten. Und es wurde tatsächlich ein rasantes Tempo vorgelegt! Viel zu schnell war das mitgebrachte Gras verarbeitet und es wurde ausgeschwärmt um die umliegenden Wiesen ein wenig zu erleichtern.
Auch wenn ich in meiner Zeit hier so manches Mal mit dem Arbeitseifer der Athleten hier gehadert habe, hier waren sie wirklich ab dem zweiten Tag auch mit Feuereifer dabei und waren ab da beständig damit beschäftigt genügend Gras für die pflanzenden Damen heranzuschaffen. Das Ergebnis kann sich nun wirklich sehen lassen und dank des wirklich gerade sehr feuchten Wetters kann man die Hoffnung haben, dass das Zentrum der Laufbahn bald in sattem Grün erscheint!

Ackerbau – oder das leidige Warten auf den Traktor

Etwas das ich mir ja wirklich vorgenommen hatte, war den Ackerbau rund um das Camp wiederzubeleben. Das Land ist da, es muss eigentlich nur bearbeitet werden…
Recht schnell hatten wir dazu auch das passende Fleckchen Erde herausgesucht und dann (wie in einem vorherigen Bericht bereits erzählt) den Fremdbewuchs gerodet. Was dann allerdings begann war das große Warten. Das Warten darauf, dass sich endlich einer der Herren Traktorfahrer in der Region hierher begibt und für uns das Land umpflügt. Es ist leider eine leidige Geschichte die ein wenig die Zuverlässigkeit von Versprechen in Kenia wiederspiegelt… Vier verschiedene Traktorfahrer hatten entweder Paul oder Gikuni versprochen zu erscheinen. Es ja absolut „kein Problem“. Keiner davon ist jedoch erschienen! So wurden zwei weitere Herren gefragt, die sich ihr Geld damit verdienen, von Hand die Felder umzugraben. Sie sagten zu die Fläche in mehreren Tagen zu bearbeiten – und wurden prompt in den Folgetagen auf anderen Feldern gesehen. Nun gestern das kurze Glauben an ein Wunder: ein Traktor samt Pflug erscheint am Camp! Große Freude, große Aufregung, doch ich hätte mich wohl besser versteckt gehalten, denn: mit Auftauchen des Weißen hat sich spontan mal der Preis verdoppelt obwohl dieser eigentlich längst fixiert war! Nun begann also ein bitteres Feilschen und wildes Diskutieren, was leider zur Folge hatte, dass wir den Herren wegschicken mussten… Es gibt eben doch Grenzen! Natürlich trotzdem auch bitter für uns und der Ackerbau rund um das Camp bleibt vorerst wohl ein Wunschtraum…

Reisspende für die Primary School

Eine Sache die in meinen Augen unbedingt noch erwähnt werden muss, ist die Reisspende der Familie Gmeiner für die Primary School. Während unsere Schüler der r2g Nursery School täglich bestens bekocht werden, hängt das Küchenpersonal der Primary School da wohl noch ein wenig hinterher. Jedenfalls ist es keine Geheimnis, dass sich ehemalige Schüler der Nursery School wieder gerne zu den Mahlzeiten (und vielleicht auch zum Unterricht) zurückwünschen.
Um aber auch in der Primary School zumindest für die nötige Grundausstattung zu sorgen, haben Susanne und Moritz Gmeiner während ihres Aufenthaltes beschlossen der gesamten Schule für zwei Wochen Reis zu spendieren. Da während ihrer Anwesenheit Ferien waren, hatte ich am Montag zum ersten Schultag die Ehre den Reis am gewünschten Ort abzuliefern und er wurde mit großer Freude und Dank entgegengenommen! Vielen Dank Familie Gmeiner!
Wisst ihr übrigens was so eine 2 Wochenration Reis für die Schule ist? Nicht weniger als schlappe 350kg….

Der Coach reist nach Europa – run2gether Athleten zur Berglauf-WM

Was inzwischen ja vermutlich schon bekannt ist, ist dass Viola, Lucy, Kosgei und Muigai für Kenia bei der Berglauf-WM starten dürfen! Ein Riesenerfolg für das Team, der auch im Camp seinen Schatten vorausgeworfen hat. Unser Coach war deshalb in diesen Tagen ein stark beschäftigter Mann, der im Vorfeld mehrmals zu irgendwelchen Gesprächen und Terminen nach Nairobi reisen musste. Am Tag vor dem Abflug kam er dann endlich mit allen offiziellen Utensilien an. Trainingsanzüge, Schuhe, Rennbekleidung, Rucksäcke, alles die offizielle Ausrüstung des Nationalteams. Klar dass beim betrachten dessen so manches Auge der Nachwuchsathleten gefunkelt hat, die Sachen anprobiert werden mussten und vermutlich im Kopf so manch kleiner Traum ablief… Möge es in Zukunft noch manch Läufer von run2gether in diesen Dress schaffen!!

Liebe Leser!
Ich danke euch zum einen für euer Interesse und hoffe zum anderen, dass euch meine Berichte gefallen und euch das Leben in Kiambogo ein wenig näher gebracht haben. Ich kann diesen Platz für einen Urlaub wirklich nur empfehlen! Sei es um mit Höhentrainingseffekt auf eine neue Bestzeit zu trainieren und das Leben von kenianischen Top-Athleten hautnah mit zu erleben, oder sei es um das Land kennenzulernen, Safaris zu machen oder ein Patenkind in der Nursery School zu besuchen. So oder so, das Mt. Longonot Sports & Recreation Centre ist eine Reise wert!

Mit vielen Grüßen!
Euer Tim

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